
Fauna
Wer nach Nordschweden fährt, möchte natürlich Elche sehen.
Die Chancen stehen in Ångermanland gut, denn es gibt hier ungefähr 10.000 Elche.
Im Winter kommen sie bis in die Dörfer, liegen auch schon mal bei mir im Garten und kauen genüßlich wieder.
Im Frühjahr ziehen sie in großen Gruppen Richtung Norden und überqueren in der Nähe von Junsele den Ångermanälv. Das wird übrigens 24/7 im schwedischen Internetfernsehen ohne Länderbeschränkung übertragen.
Aber es gibt natürlich nicht nur Elche, fast alle in Schweden heimischen Tiere leben innerhalb der landskaps-Grenzen.
Rotwild, Hirsch, Dachs und Marder kennst du auch aus Deutschland, Luchs und Braunbär eher nicht. Beide bewohnen die großen abgelegenen Wälder, vor allem im Westen. Der Luchsbestand in Ångermanland ist schwedenweit der dichteste, trotzdem musst du viel Glück haben, die scheue Wildkatze zu Gesicht zu bekommen.
Wölfe sind sehr selten. Nachdem sie völlig ausgerottet waren, leben inzwischen wieder wenige Exemplare hier. Sie haben keinen leichten Stand, da
sie sich nicht mit der Rentierhaltung vertragen.
Noch größer als die Anzahl der Elche ist die der Bieber, wodurch Ångermanland das bieberreichste Gebiet Europas ist. In den 1870er Jahren war er in ganz Schweden ausgerottet war, inzwischen hat er sich wieder über das ganze landskap ausgebreitet, sogar auf einigen küstennahen Inseln wurde er beobachtet. Er ist auch das landskaps-Tier Ångermanlands.
Die Otter sind auch zurück. Sie mögen die kleineren Flüsse, z. B. im Hemligån und Björkån. (→ Natur)
In einigen kleineren Wasserläufen kommen sogar Flussperlmuscheln vor. Voraussetzung hierfür ist ein passabler Bestand an Forellen, da die Muschel-larven das erste Jahr als Parasiten an den Kiemen der Forellen leben, bis sie sich im Kies des Bachbettes verankern.
Besonders groß ist die Auswahl bei den Vogelarten.
An Greifvögeln kannst du Habicht, Sperber, Turmfalke, Mäusebussard, Fischadler, Raufußkauz und Uhu beobachten.
Birk-, Hasel-, Moorschnee- und Auerhuhn, Waldschnepfe, verschiedene Spechtarten, Ammern, Seidenschwanz, Steinschmetzer, Rot- und Braun-kehlchen, Rotdrossel, Karmingimpel, Dompfaff, Meisen, Buchfink und einige weitere Arten leben hier ganzjährig.
Dann brüten hier noch eine Reihe von Zugvögeln.
Als erstes reisen Großer Brachvogel, Kiebitze und Feldlerchen an, etwas später folgen Kraniche und Schwalben. Von den Graugänsen, Kanadagänsen und Schwänen ziehen nicht mehr alle im Winter weg, etliche bleiben seit einigen Jahren ganzjährig.
Verschiedene Mövenarten, Trottellumme, Tordalk, Gänsesäger, Steinwälzer, Gryllteiste, Rotschenkel, Strandpieper, Seeschwalben und mehrere Entenarten geben der Küste mit Inseln und Schären den Vorzug.
Und was ist mit Fische?
Die gibt es bei den vielen Binnengewässern natürlich reichlich. Felche, Lachs, Forelle, Flussbarsch, Äsche, Saibling, und Hecht.
Die wichtigsten Fischarten des Meeres sind Ostseehering, Felchen, Lachs, Dorsch und Meeresforelle.
Das Wasser hier oben im Botten Meeres hat nur noch 5 ‰ Salzgehalt, gilt somit als Brackwasser. Damit kommen nur extrem angepasste Tierarten zurecht.
Die Robben haben das geschafft. Sie tummeln sich in enormer Anzahl an der Küste und zwischen den Schären.
Auch verschiedene Krebs- und Muschelarten und der Seeskorpion sind hier heimisch.
Blasentang, Miesmuscheln und Seepocken erreichen allerdings ihre nördlichste Grenze.
Gesetzlich geschützte Tiere
– Amphibien: Erdkröte
Grasfrosch
Moorfrosch
Nördlicher Kammmolch
Teichmolch
– Reptilien: Blindschleiche
Kreuzotter
Ringelnatter
Waldeidechse
– Wirbellose Tiere: Apollofalter
vom län geschützte Tiere:
– Flussperlmuschel
– Großer Drachenkäfer
– Luchs
– Otter
fast alle anderen Säugetiere und Vögel unterliegen dem Jagdrecht.



Flora
Ångermanland ist für viele Gewächse der südlichste oder nördlichste Außenposten, was heißt: du kannst hier beides haben.
Zwar sind rund 80 % von Wald bedeckt, aber auch der lässt anderen noch genug Platz und dann bleiben ja noch die restlichen 20 %.
Fangen wir an der Küste an: hier wachsen die Genügsamen, denen karger Sandboden zwi-schen Geröll und Felsen reicht. Neben Strandroggen, Sandthymian, Erika, Steinbrechtarten, Seggen, Binsen und Schwarzer Krähenbeere gibt es die Felsenschaumkresse, die nur an der ångermanländischen Küste vorkommt.

n den Flusstälern findest du als größte Raritäten den Rispelstrauch und die Fingerkuhschelle oder Sternkuhschelle (Pulsatilla patens). Letztere ist ein Steppengewächs, das eigentlich in Zentralasien zuhause ist und in Mitteleuropa auf der Roten Liste steht. In Schweden kommt diese Blume ende-misch auf Gotland und in Ångermanland in der Gemeinde → Ramsele vor, selbstverständlich ebenfalls streng geschützt.
Noch üppiger wird die Vegetation, wenn du in die schattigen Schluchten gehst. Baumstämme, Äste und Felsen sind dick mit Moosen und Flechten überzogen und von den Fichten hängen Langbartflechten (Engelshaar), von denen 90 % des schwedischen Bestands in Västernorrland vorkommen. Dazwischen wachsen riesige Farne und 2 m hoher Eisenhut zusammen mit Alpenjohannisbeeren und Waldschachtelhalm.

Als biologische Kleinode gelten die vielen Sümpfe und Moore. Früher wurden sie als Winterfut-ter für die Tiere alle 2 bis 3 Jahre gemäht, heute wachsen hier u. a. Orchideen. Die verschiede-nen Knabenkräuter findest du in fast jedem Moor. Frauenschuh, Händelwurz, Norne und Großes Zweiblatt haben ihre Lieblingsplätze.
In der Gesellschaft von Wollgras leuchtet im Spätsommer das „Gold Lapplands“: hjortron, die Moltebeere, die hier ihre südliche Grenze hat.
Einige Südhänge und manche Senken haben ein Kleinklima entwickelt, das wärmeliebenden Gewächsen das Wachstum erlaubt. Haselnuss, Linde, Ahorn, Alpenlichtnelke, Salomonssiegel, Storchschnabel, Buschwindröschen, Waldwicke, Ruprechtskraut (Stinkstorchschnabel), Mauerlattich und
Springkraut wachsen hier, obwohl sie weiter in den Süden gehören.
Im Übrigen dominieren Fichte, Kiefer, Birke, Erle und Eberesche.
In diesen Wäldern wachsen zudem Blaubeeren, Preiselbeeren, Krähenbeeren und unzählige Pilzarten, darunter Pfifferlinge, Trompetenpfifferlinge,
Steinpilze, Birkenpilze und Morcheln.
Gesetzlich geschützte Pflanzen
– Flechten: Langbartflechte (Engelshaar)
– Gefäßpflanzen: Mondrauten (Rautenfarne)
Lappländisches Scharbockskraut
Sumpfschwertlilie
Polstersteinbrech
Wermutkraut
– Orchideen: Blattloser Widerbart
Breitblättriger Stendelwurz
Einblattorchis
Fleischfressendes Knabenkraut
Geflecktes Knabenkraut
Grüne Hohlzunge
Korallenwurz
Kriechendes Netzblatt
Mückenhändelwurz
Norne
Sumpfständewurz
Sumpfweichorchis
Traunsteinknabenkraut
Vogelnestwurz
Zweiblatt
– Pilze: Wohlriechender Weidenporling


